Die Revolution der Nullen und Einsen

Journalistisches

Der erste Computer vor 75 Jahren

Weil er zu faul zum Rechnen war, entwickelte der deutsche Tüftler Konrad Zuse mitten in den Wirren des Zweiten Weltkriegs die Z3. Vor 75 Jahren, am 12. Mai 1941, wurde die riesige Rechenmaschine in Berlin vorgestellt. Heute gilt sie als der erste funktionsfähige Computer der Welt.

Zum Text >>

Abriss-Perspektiven

Schreibe einen Kommentar
Journalistisches

Eine Multimedia-Reportage

2008 wurde die Beueler Traditionsfirma A.W. Andernach stillgelegt. Jetzt wird die Produktionshalle abgerissen – und die Tochter des letzten Inhabers beobachtet von einem Logenplatz aus, wie das Lebenswerk ihrer Ahnen zerstückelt wird.

Meine Multimedia-Reportage für den GA.

Klein, aber fein

Schreibe einen Kommentar
Journalistisches

Per Pfeilwurfreportage nach Oberbuchholz in Hennef

Gute Nachbarn, sagt Rosa Bernards, das sei das Wichtigste. Viel wichtiger als weit entfernte Geschwister. „Wen rufst du, wenn die Kuh kalbt oder der Mann krank ist?“ Die 87-Jährige sitzt in der Küche. Hinter den schlichten weißen Schränken und den frisch gestrichenen Wänden versteckt sich das Gemäuer eines alten Bauernhofs.

Zum Text >>

Die Schöpferin der Kirschblüte

Schreibe einen Kommentar
Journalistisches

Stadtplanerin Brigitte Denkel im Porträt

Das Universum, in dem Brigitte Denkel lebt, hat sie selbst erschaffen. Als die ehemalige Stadtplanerin Mitte der 70er Jahre frisch von der Uni nach Bonn kam, war die Nordstadt ein in die Jahre gekommenes Handwerkerviertel, geprägt von grauen Fassaden und Durchgangsverkehr. Wenn Denkel heute ihre Wohnung in der Pipinstraße verlässt, taucht sie in ein ganz anderes Viertel ein.

Zum Text >>

90 Jahr, weißes Haar

Schreibe einen Kommentar
Journalistisches

Pflegerinnen führen demenzkranke Patienten zum Tanzen aus

Wer ist Frau Gillessen? Hannelore Krüger sitzt im roten Auto der Caritas und erinnert sich nicht. Dabei hat die 87 Jahre alte Frau im mintgrünen Seidenkleid vor einem Monat schon einmal hier gegessen, und im Monat davor auch. Und hat mit Frau Gillessen einen ganzen Nachmittag in der Tanzschule verbracht. Das erklärt Pflegerin Ana Barquero ihr nun geduldig. „Die Tante ist müde“, sagt Krüger nur.

Zum Text >>

Fünf Tage lang fair leben

Schreibe einen Kommentar
Journalistisches

Ein Selbstversuch

Eine gute Nachricht vorweg: Der Kaffee, den ich jeden Morgen trinke, ist schon fair. Ich starte also mit meiner üblichen Dosis Kaffeebohnen-Aroma und Koffein ins Experiment. Fünf Tage lang fair leben. Nur Produkte konsumieren, die unter fairen Bedingungen entstanden sind.

Zum Text >>

Das andere Geschlecht

Schreibe einen Kommentar
Journalistisches

Intersexualität

In einer Gesellschaft, die ihre Mitglieder in „männlich“ und „weiblich“ einteilt – sei es auf dem Pass oder auf den Toiletten – ist kein Platz zwischen den Geschlechtern vorgesehen. Es gibt aber Menschen, die weder als Frau noch als Mann geboren werden. Jahrzehntelang war es ärztliche Praxis, solche Kinder durch Operationen und Hormonbehandlungen möglichst früh einem der beiden Geschlechter zuzuordnen.

Hier geht es zu meinem Text für die FAZ

Gegen den Takt

Schreibe einen Kommentar
Journalistisches

Mehr als ein Flohmarkt: Der „Chopo“ in Mexiko-Stadt

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12. Juni 2011  FAS_2011.pdf

Schon am Treppenaufgang lockt die Welt des mexikanischen Undergrounds. Hier, an der Haltestelle Buenavista, bieten Punks CD-große Lollis zum Verkauf an und ein Strom von Satansanbetern, Rockern und Skaterboys schiebt sich auf die Calle Aldama. Seit über 20 Jahren findet mitten in Mexiko-Stadt ein Flohmarkt der besonderen Art statt: Auf dem Tianguis del Chopo versammeln sich jeden Samstag die unterschiedlichen Stämme städtischer Subkulturen, um Schallplatten und gebrannte CDs zu kaufen, sich einzukleiden, den neusten Entdeckungen der Underground-Musikszene zu lauschen oder einfach nur, um ihre aufwändigen Garderoben zur Schau zu stellen.

„Es ist der einzige Platz, den nonkonforme Jugendliche in Mexiko haben“ sagt Javier Hernández Chelico. Bereits in den frühen 80er Jahren kam der Journalist hierher, zunächst als Käufer und Liebhaber des italienischen Progressive Rock, dann als Reporter für die Musikzeitschrift Revista Conecte. Damals machte der „Chopo“, wie der Flohmarkt von seinen Jüngern liebevoll genannt wird, vor allem Negativschlagzeilen. Was 1980 unter dem Dach des Museo Universitario del Chopo als Tauschbörse für Musik und Literatur der Gegenkultur der 60er Jahre begann, wurde bald zum Skandal. Die Veranstalter hatten den Flohmarkt als kurzzeitiges Projekt geplant und unterschätzt, wie sehr Mexikos rebellierende Jugend auf eine Plattform wie diese gewartet hatte. Als die Besucherzahlen stiegen, setzte man den Flohmarkt vor die Tür. Drogenkonsum, regelmäßige Polizeibesuche, Räumungen, interne Streitereien – nicht nur die Stadt­verwaltung hätte die Bewegung gerne im Keim erstickt. Aber der Chopo erwies sich als hartnäckig.

Mehr als 5000 Besucher zwängen sich heute durch die engen Gassen zwischen den rund 200 Verkaufsständen. Ein Altrocker durchwühlt raubkopierte DVDs, auf der Suche nach als verschollen geltenden Led Zeppelin-Konzerten. Zwischen Teenagern, die ihre Lederjacken mit neuen The Doors- und Anti-Atomkraft-Buttons schmücken, spielt ein Tätowierer ungeduldig mit seinen Nadeln. Musik ist allgegenwärtig. Eifrig versucht jeder Verkäufer lauter als der Nachbar den Besuchern seine musikalischen Helden näher zu bringen und wird doch übertrumpft von den Boxen der Bühne, auf der die Frontfrau der Heavy Metal-Band Deborah einer wallenden Menschenmasse den Takt vorgibt.

Obwohl der Chopo in den 80er Jahren öfter seinen Austragungsort wechselte, als Black Sabbath die Bandbesetzung, fanden immer mehr junge Mexikaner Gefallen an der neuen Pilgerstätte der Gegenkultur. Bald schon gesellten sich andere Musikstile und die dazugehörigen Lebensweisen zum Progressive Rock und den nostalgischen Hippies: Punk, Grunge, Heavy Metal, Gothic und Ska. Chelico schreibt heute eine Kolumne für die Tageszeitung La Jornada, in der er den Tianguis del Chopo und seine Besucher charakterisiert. „Alle Ausdrucksformen der Jugendkultur treffen hier zusammen“ sagt er. Was all diese Jugendlichen und Junggebliebenen verbindet, ist der Hang zur Farbe Schwarz und eine gewisse Außenseiter-Attitüde.

Anders zu sein als der Normalbürger erfordert Mut in einer Gesellschaft wie der mexikanischen, in der Traditionen eine große Rolle spielen. Wer bleiche Gesichter und knöchellange Ledermäntel oder Nietenjacken und Irokesenschnitt trägt, muss mit Anfeindungen rechnen – von missbilligenden Blicken bis zu üblen Beschimpfungen. „Viele Leute sehen dich als hässlich oder als schlecht an, nur weil du anders aussiehst“ sagt Oscar Emiliano Ornelas Ayala, die Hände in den Taschen der schwarzen Röhrenjeans, und spielt nervös an einem der vielen Piercings, die seine Lippen, Nase und Augenbrauen zieren. Jeden Samstag kommt der 15jährige zum Chopo, um sich mit Freunden zu treffen, Musik zu hören und „einfach nur in Ruhe abzuhängen“.

Seit den wilden Anfängen hat sich vieles verändert. Heute ist der Tianguis del Chopo eine offiziell eingetragene Non-Profit-Organisation, seine Verkäufer sind angemeldete Mitglieder. Alle Teilnehmer werden auf unübersehbar großen Plakaten gebeten, auf den Konsum von Drogen und Alkohol innerhalb des Geländes zu verzichten. Die Gebühren für die Müllbeseitigung werden brav entrichtet und die Beziehungen zu Stadtverwaltung und Polizei sind routiniert. Die pinkfarbenen Hello Kitty-Gimmicks pubertierender Emos wurden ebenso freundlich integriert wie Springerstiefel und Sadomaso-Spielzeug und neben Burroughs, Bukowski, Chomsky und Che Guevarra liegt heute Stephenie Meyer aus.

„Der Chopo ist ein Ort des harmonischen Miteinanders“ sagt Chelico. Beide sind sie gemeinsam gealtert. Die schulterlange Mähne des einen ist ergraut und sein rotes Rocker-Shirt spannt sich über einen gemütlichen Wohlstandsbauch. Auch der andere hat nach 30 Jahren Existenz an Aggressivität verloren. Und dennoch ist der Tianguis del Chopo für Mexikos Abweichler so viel mehr als ein Flohmarkt. Er ist eine Kultstätte, ein Refugium und – mit all seinen höllisch anmutenden Gestalten – für jeden, der in Mexiko-Stadt aus der Reihe tanzt, das Paradies.

 

Argentinien tanzt queer

Schreibe einen Kommentar
Journalistisches / Text

Queer Tango in Buenos Aires

Der Tango ist Argentiniens Wahrzeichen, Ausdruck des Machismo. Früher führten Männer Frauen. Der Queer Tango belebt die Tradition: Das Land tanzt und liebt liberal.

Der Samtvorhang am Ende der schmalen Treppen ist zur Seite gezogen. Er gibt den Blick frei auf den Tanzsaal des Plaza Bohemia in Buenos Aires

Hier geht es zu meinem Text für Zeit.de

Auf der Suche nach dem Verstehen

Schreibe einen Kommentar
Journalistisches

Reise nach Auschwitz

fluter.de, 19. Juni 2010

Es war diese Begegnung, die mich auf die Idee brachte, nach Auschwitz zu fahren. Im Februar 2007 bereiste ich die australische Ostküste und lernte dort einen Israeli kennen. „Du bist Deutsche?“, sagte er, „zwei Drittel meiner Familie sind in Auschwitz ermordetet worden.“ Ich wusste nicht recht, wie ich reagieren sollte. Mir missfiel sein vorwurfsvoller Ton. Andererseits bewunderte ich die forsche Art, mit der er die Karten auf den Tisch legte.

Ich hatte mich mit dem Holocaust auseinandergesetzt, im Zuge meines Geschichtsstudiums wissenschaftlich-analytisch und im Zuge meiner Leselust hatte ich mich mitfühlend mit den Schicksalen von Anne Frank, Imre Kertész und Primo Levi beschäftigt. Trotzdem: Etwas Befriedigendes, Abschließendes konnte ich nicht darüber sagen. Vielleicht würde ein Besuch des realen Ortes hier Abhilfe schaffen? Vielleicht würde mich eine solche Pilgerfahrt für ewig von der Sünde des Augenverschließens befreien?

Die schwierige Sache mit dem Nationalstolz
Gerade erst war der deutsche Märchensommer der Fußball-WM 2006 zu Ende gegangen. In meinen Ohren hallte noch der allgemeine Lobgesang des unverkrampften Umgangs mit dem deutschen Heimatland und deutschen Nationalsymbolen wider. Junge Erwachsene können heute nicht mehr die Eltern fragen, ob und inwieweit sie sich damals schuldig gemacht haben. Selbst unsere Großeltern sind zum großen Teil zu jung, um aktiv am nationalsozialistischen Regime beteiligt gewesen zu sein.

Die jungen Deutschen haben das Gefühl, übersättigt zu sein von der dunklen deutschen Vergangenheit, die in den Klassenräumen, in den Medien, auf Auslandsreisen thematisiert wird. Sie wollen für Deutschland, für ihre Heimat Positives empfinden. Ist das eine Entscheidung für das Vergessen?

Ich jedenfalls vergaß zunächst meinen Plan. Erst als ich in diesem Frühjahr meine Abschlussprüfungen hinter mich gebracht hatte und den Blick auf das Danach richtete – auf einen neuen WM-Fußball-Sommer und dann den Weg in die weite Welt –, buchte ich meinen Flug nach Krakau. Bevor ich erneut verdrängen konnte. Von dort aus machte ich mich dann auf den Weg nach Oświęcim, wie die rund 50 Kilometer westlich von Krakau gelegene Kleinstadt auf Polnisch heißt, die Stadt, deren deutscher Name zum Symbol der nationalsozialistischen Massenmorde wurde.

In vielerlei Hinsicht ist das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau ein Geschichtsmuseum wie viele andere. Es gibt Fremdenführer und Besichtigungstouren, lärmende Schulklassen und Informationstafeln. Alles ist sauber und professionell durchorganisiert. Anders könnte die Museumsleitung die Flut der Besucher/innen wohl kaum bewältigen. Allein im Jahr 2009 waren es 1,3 Millionen.

Ein ganz normales Museum
Im Museumsshop kann man neben Büchern zu Auschwitz und zum Holocaust auch Postkarten und Poster erstehen. Über das 70 Hektar große Gelände von Auschwitz-Birkenau ist inzwischen Gras gewachsen, gesprenkelt mit gelbem Löwenzahn. Die Überreste der unterirdischen Krematorien II und III, die zum Massengrab europäischer Juden und Jüdinnen wurden, sind heute von Moos bedeckt und gleichen einer antiken Ausgrabungsstätte.
Das Grauen liegt hinter den Blocktüren des Stammlagers verborgen. Hier wird sachlich und anschaulich die Geschichte des größten nationalsozialistischen Arbeits- und Vernichtungslagers dargestellt. Eine geführte Tour durch die Gedenkstätte dauert viereinhalb Stunden. Erst geht es drei Stunden lang durch das Stammlager und dann mit dem Shuttle-Bus in das drei Kilometer entfernte Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Zahlen, Fakten, Beweisstücke
Wie schwere Regentropfen prasseln die Zahlen und Fakten auf die Besucher/innen ein. Etwa 1,3 Millionen Menschen fanden in Auschwitz in den Jahren 1940 bis 1945 den Tod. Etwa 900.000 wurden direkt nach ihrer Ankunft in die Gaskammern und Krematorien geschickt. Als diese am Ende des Krieges auf Hochtouren arbeiteten, konnten in 24 Stunden bis zu 1.500 Menschen vergast und verbrannt werden. Von nur 144 Menschen weiß man, dass sie aus Auschwitz fliehen konnten. 2.000 Menschen teilten sich in Birkenau eine Latrinen-Baracke. Morgens hatte jeder für den Toilettengang also nur wenige Sekunden Zeit.

Und noch eine Zahl: 80 Prozent der Täter/innen dieser Verbrechen wurden nie belangt. All diese Zahlen sind unvorstellbar. Meine Hoffnung, vielleicht am konkreten Ort des Verbrechens einen Zugang zu ihnen zu finden, sie zu verstehen, löste sich in Luft auf.

Immer wieder zeigt sich in Auschwitz das Groteske des industrialisierten Massenmordes, das die Verbrechen der Nationalsozialisten wohl bei allen Gemeinsamkeiten von anderen Völkermorden unterscheidet. Zum Beispiel in der teuflischen Akribie, mit der die anreisenden Juden und Jüdinnen getäuscht wurden: Man erzählte ihnen, sie würden umgesiedelt, und ließ sie ihre Zugtickets selbst bezahlen. Nach der Ankunft versprach man den als „nicht-arbeitsfähig“ Eingestuften – den Alten, den Kranken, den Kindern und schwangeren Frauen – eine Dusche. Beim Gang in die Todeskammer bekam oft jeder Dritte der zum Tode Geweihten ein Stück Seife mit auf den Weg.

Absurd war auch die Mentalität, mit der die SS-Lagerkommandanten jeden noch so kleinen Nutzen an den Leichen fanden. Bevor die Toten verbrannt wurden, entfernte man Goldzähne und Haare. Die Haare wurden unter anderem zu Decken verarbeitet. Über jeden, der im Lager als „arbeitsfähig“ galt, wurde präzise Buch geführt; wurden die Personalien, Augenfarbe, Haarfarbe und Form der Nase aufgenommen, nur um die Insassen mit einer Nummer zu tätowieren und sie von nun an auch nur als eine solche zu behandeln. Wäre es nicht die Realität, so könnte es eine grausam absurde Geschichte Franz Kafkas sein.

Das erste Mal in meinem Leben fühlte ich mich im Umfeld von Auschwitz unwohl in meiner deutschen Haut. Statt mit einer deutschen Gruppe eine Führung zu machen, schloss ich mich lieber einer englischsprachigen Tour an und vermied es, deutsch zu sprechen. Für mich ist Deutsch die Sprache meiner Eltern, meiner Kindheit, die Sprache, in der ich mich zu Hause fühle. Aber in Auschwitz ist es die Sprache der Täter/innen.

Unwohlsein beim Public Viewing
Was nimmt man mit aus Auschwitz? Ich habe gesehen – und da können die Historiker/innen noch so lange streiten –, wie der Holocaust historisiert ist. Das heißt: Wie er als Geschichte dargestellt ist. Ich habe gesehen, dass auch die Konfrontation mit dem realen Ort, das Sein in den einstigen Gaskammern, nicht zum Verstehen, zum Verinnerlichen führt. Zu unvorstellbar ist, was Menschen Menschen in Auschwitz angetan haben. Und ich weiß jetzt, dass es einen unverkrampften Umgang mit dem Deutschsein nicht gibt – jedenfalls nicht für mich.

Nun beginnt ein neuer WM-Sommer. Auch ich werde mir wieder die Wangen schwarz-rot-gold färben und mich an der gemeinsamen Fröhlichkeit erfreuen. Aber wenn sie sich zu Hundertschaften vor den Public-Viewing-Leinwänden zusammenrotten und ein aggressives „Sieg, Sieg, Sieg!“ skandieren, dann werde ich mich unwohl fühlen. Wie eine angeborene körperliche Beeinträchtigung wird Auschwitz immer ein Teil meiner deutschen Identität sein, die nur eine ist unter vielen Identitäten in der Welt.

Ich könnte so tun, als gäbe es dieses Handicap nicht. Aber sollte ich nicht eher lernen, mit ihm zu leben und die Vorteile zu sehen, die es mir beschert? Die Sensibilität für die Ungerechtigkeit einer kollektiven Verurteilung, für die Gefahren übersteigerten und übersteigernden Nationalgefühls und für das Dunkle in der menschlichen Natur. Und wenn ich auf meinen baldigen Reisen in die Welt Menschen treffe, die mich auf Auschwitz ansprechen, dann werde ich nichts Befriedigendes oder Abschließendes darüber zu sagen haben. Aber ich werde, immerhin, vieles zu sagen haben.